Persönlich genommen
ich habe vieles persönlich genommen, was ein Chef nicht persönlich nehmen sollte.
Ohne sie kein einziger Euro
Angefangen habe ich mit zwei Leuten in der Produktion, in Spitzenzeiten waren wir 34. Und ich hatte das Glück, sehr gute Mitarbeiter zu haben, die mir oft geholfen haben. Mir war vom ersten bis zum letzten Tag bewusst, dass ich ohne sie keinen einzigen Euro verdient hätte.
Deshalb waren sie für mich nie nur Personal. Ich kannte die Namen ihrer Kinder und wusste, wenn eines krank war oder wenn jemandem zu Hause gerade die Arbeitsstelle weggebrochen war. Wir haben über solche Dinge gesprochen. Wenn jemand in Schwierigkeiten steckte, habe ich ihm Geld geliehen, ohne etwas dafür zu verlangen. Wir haben einen Anwalt besorgt, wenn einer gebraucht wurde, uns um Versicherungen gekümmert und zu Weihnachten großzügige Geschenke gemacht.
Vielleicht hat es mich gerade deshalb so getroffen, wenn ich angelogen wurde.
Kein Big Boss
Den Chef habe ich nie raushängen lassen. Wenn die Halle gefegt werden musste, habe ich gefegt, und an vielen Wochenenden habe ich ganze Tage damit verbracht, die Ordnung herzustellen, die ich für mein Auge und meine Organisation brauche. Wenn morgens Schnee lag, war meistens ich derjenige, der den Bürgersteig geräumt hat.
Für mich gab es auch keinen Unterschied zwischen dem CEO meines größten Kunden und dem UPS-Fahrer, der jeden Tag unsere Pakete abholte. Natürlich bin ich mit dem CEO essen gegangen oder mit ihm ins Musical, während der UPS-Fahrer im Sommer ein Eis oder ein kühles Getränk bekam und zu Weihnachten sein Geschenk. Aber menschlich habe ich beide gleich behandelt.
Ich hatte das Glück, diese Firma übernehmen und aufbauen zu dürfen. Besser als meine Mitarbeiter habe ich mich deshalb nie gefühlt.
Nähe und Distanz
Weil ich so viel Zeit in der Produktion verbracht habe, kam ich mit meinen Mitarbeitern ständig ins Gespräch, und irgendwann wurde es zu nah. Mit zu viel Nähe können viele nicht umgehen.
Also habe ich mich ein Stück zurückgezogen. Die Namen der Kinder habe ich natürlich nicht vergessen, aber ich habe weniger nachgefragt und mich nicht mehr um jedes Problem selbst gekümmert. Bei sechs oder acht Mitarbeitern kannst du dir noch alle Sorgen anhören. Bei dreißig geht das nicht mehr, weil du die Probleme von dreißig Menschen schlicht nicht schultern kannst.
Lief es dann eine Zeit lang gut, entstand ganz von selbst wieder mehr Nähe. Und kam eine Phase mit mehr Stress, habe ich mich wieder zurückgezogen. Auch das waren Bauchentscheidungen.
Die richtige Linie habe ich dabei nie gefunden. Personalführung war für mich der schwierigste Teil meiner Arbeit als Unternehmer. Trotzdem bereue ich meine Art nicht. Man kann einen Betrieb auf sehr unterschiedliche Weise führen, und meine liegt in meinem Wesen. Ich würde es sehr wahrscheinlich wieder so machen.
Mit einer Ausnahme.
Wenn es mir zu viel wurde
Einen einzelnen Mitarbeiter habe ich nie persönlich angeschrien. Aber manchmal habe ich aus dem Affekt heraus alle in den Besprechungsraum gerufen und dort lautstark meinen Frust abgeladen.
Oft waren es banale Dinge, die mich auf die Palme gebracht haben, etwa wie die Toiletten zum wiederholten Mal hinterlassen wurden. Manchmal war es eine Reklamation, die völlig unnötig gewesen wäre. Und einmal ließ die Arbeitsleistung nach, weil man sich zwei Wochen lang in jeder Pause darüber aufregte, dass vom Weihnachtsgeld zu viel Steuern abgingen.
Das war falsch. Laut zu werden ist nie eine gute Lösung, und es war eine Schwäche von mir, die ich bereue.
Eine Nacht darüber schlafen
Heute würde mir das nicht mehr passieren. Ich bin reifer geworden, auch durch genau diese Erfahrungen. Wenn mich heute etwas aufregt, schlafe ich mindestens eine Nacht darüber, und am nächsten Morgen sieht die Welt sehr oft ganz anders aus.
Mir ist inzwischen auch viel bewusster, was Führung bedeutet und was es heißt, Vorbild zu sein. Deshalb gibt es bei mir heute ganz klare Grenzen und Linien.
Ich bin sehr offen und ehrlich, und damit kann nicht jeder umgehen. Ich ecke deshalb auch immer wieder an. Aber mir ist es lieber, dass die Menschen genau wissen, woran sie bei mir sind. Und nur weil ich offen sage, was ich denke, heißt das nicht, dass man nicht mit mir über alles reden kann.
Was ich daraus mitgenommen habe
Nähe zu Mitarbeitern ist keine Schwäche. Mich für ihre Kinder, ihre Sorgen und ihr Leben zu interessieren, würde ich jederzeit wieder tun.
Aber Frust gehört nicht in den Besprechungsraum, solange er noch heiß ist. Wer führt, muss zuerst sich selbst führen.