Die Leere

Christoph Nüchel auf der Terrasse auf der Hochrindl im Schnee

Hochrindl, Kärnten

Unser Haus stand auf der Hochrindl in Kärnten, auf 1.600 Metern. Ein klitzekleines Dorf mit 65 Einwohnern, der Blick geht hinunter Richtung Wörthersee. Kein Trubel, Ruhe pur. Anfang 2024 saß ich dort draußen und habe einfach vor mich hingeschaut. Und zum ersten Mal seit sehr langer Zeit wusste ich nicht, was als Nächstes kommt.

Zwischen den Reisen war es perfekt

Fast vier Jahre waren Melanie und ich mit dem Weltreisemobil unterwegs. Zwischen den Reisen waren wir immer ein paar Wochen auf der Hochrindl. Und jedes Mal fühlte es sich perfekt an. Ankommen, durchatmen, das Mobil herrichten, die nächste Reise planen.

Dann haben wir die Reise beendet, weil unsere Familien uns gebraucht haben. Wir waren viel bei unseren Eltern, ich in Hamburg, wir beide in Bayern. Auf dem Berg waren wir eher weniger als vorher. Aber wenn wir dort waren, war etwas anders. Es gab keine neue Reise mehr zu planen und keine Ablenkung.

Und dann kam die Frage, die ich mir vorher nie gestellt hatte: Möchte ich hier oben, in dieser absoluten Einsamkeit, mit Anfang 50 den Rest meines Lebens verbringen?

Die Antwort war eindeutig. Das war völlig undenkbar.

Mir fehlte ein Ziel

Mein Leben lang hatte ich ein Ziel vor Augen. In der Firma war es der nächste Tag im Büro, die nächste Aufgabe, dazu die langfristigen Pläne. Als wir mit dem Reisen angefangen haben, wurde daraus die Reisevorbereitung. Dann war das Ziel die nächste Reise. Unterwegs war es das nächste Tagesziel.

Und jetzt war da auf einmal nichts mehr. Kein nächster Tag in der Firma, keine nächste Reise. Ruhe hatte ich da oben genug. Was fehlte, war etwas, worauf ich mich freuen und worauf ich hinarbeiten kann.

Mein Ziel war immer, mit 50 aufhören zu können. Dass es schon mit 48 geklappt hat, war reiner Zufall. Über das Danach hatte ich mir nie wirklich Gedanken gemacht.

Was mir nicht gefehlt hat

Die Firma habe ich nicht vermisst. Das war mir klar, und es hat mich selbst ein wenig überrascht. Über 20 Jahre hatte sie jeden meiner Tage bestimmt.

Auch die Anerkennung hat mir nicht gefehlt. Als junger Mann war sie mir wichtig, und als selbstständiger Unternehmer bekommt man sie natürlich. Heute brauche ich sie nicht mehr. Mein Leitspruch ist: Mein wahrer Luxus ist Ruhe im Kopf.

Aber Ruhe im Kopf heißt für mich nicht, nichts mehr vorzuhaben. Es musste etwas Neues her. Was, davon hatte ich noch keine Ahnung.

Eine Küche in Klagenfurt

Die Antwort kam von einer Seite, mit der ich nicht gerechnet hatte. Wir brauchten für das Haus auf der Hochrindl eine neue Küche und sind zu einem Küchenbauer nach Klagenfurt gefahren. Auf seinem Schreibtisch standen Kartons von Forever. Seine Frau betreibt das Geschäft.

Melanie kannte die Produkte schon seit über 30 Jahren. Sie hat die Verbindung gesehen, bevor ich überhaupt darüber nachgedacht hatte. Seit Februar 2024 machen wir Network Marketing mit Forever, gemeinsam.

Die Küche haben wir übrigens nicht mehr lange gebraucht. Wir haben gemerkt, dass wir unseren Lebensmittelpunkt nach Bayern verlegen möchten, in die Nähe von Melanies Eltern. Und wie wir so sind, haben wir nicht lange gezögert. Wir sind erst einmal in ein Hotel gezogen, damit wir nicht ständig pendeln mussten, haben das Haus auf der Hochrindl verkauft und uns in Ruhe ein neues Zuhause in Bayern gesucht. Und gefunden.

Was bleibt

Ich glaube heute nicht mehr, dass man ein großes Ziel erreicht und dann einfach ankommt. Ich jedenfalls nicht. Die Leere auf dem Berg war wichtig, weil sie mir gezeigt hat, was ich wirklich brauche. Nicht die Firma, nicht die Anerkennung. Ein Ziel, auf das ich mich freue.

Wie ist das bei dir: Weißt du schon, was nach deinem großen Ziel kommt?

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Bewusst beendet